Aus unserer Reihe: Allgemeines Programm

Heidenreich, Thomas & Michalak, Johannes (Hrsg.)

Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie

Ein Handbuch

2009 , 832 Seiten

ISBN 978-3-87159-090-0

49.80 Euro

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3., überarbeitete und erweiterte Auflage 2009

„Dieses Handbuch gibt einen umfassenden Überblick, weckt Neugier und bildet eine gelungene Basis
für eine solide weiterführende Beschäftigung (für ‚Experten und Novizen‘) mit den Themen
‚Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie‘.“
(Frank Spiegel, Trauma und Gewalt, 1/2008, S. 73)


Achtsamkeit – verstanden als das ständige Bemühen, mit der lebendigen Gegenwart des Hier-und-Jetzt in bewusstem Kontakt zu bleiben – und Ak­zept­anz sind Prinzipien mit einer langen Tradition: Wege zur ihrer Kultivierung finden sich in vielen Kulturen. Besonders in der buddhistischen Tradition entstanden Übungen und Lehren, die der Entwicklung dieser Prinzipien dienen.

In den letzten Jahren hat man das Potenzial von Achtsamkeit und Akzeptanz auch für den Bereich der Psychotherapie entdeckt: Es wurden therapeutische Ansätze entwickelt, die diese Prinzipien in die Behandlung von Menschen mit psychischen, psychosomatischen und körperlichen Leiden integrieren.

Das Handbuch möchte über diese neuen Entwicklungen informieren und einen umfassenden Überblick ermöglichen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die praxisnahe Darstellung unterschiedlicher Behandlungsansätze, in deren Mittelpunkt die Ent­wicklung von Achtsamkeit und Akzeptanz steht. Darüber hinaus werden die spirituellen und historischen Wurzeln dieser Prinzipien vorgestellt, Parallelen zu anderen Therapierichtungen beleuchtet sowie Aspekte ihrer Integration in Forschung und Praxis diskutiert.

Ziel dieses Buches ist es, das therapeutische Potential von Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie deutlich zu machen, aber auch auf die Gefahren einer Vereinnahmung und Verkürzung dieser Prinzipien hinzuweisen.


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Rezensionen:

„Zunehmend entdeckt die Psychotherapie eine kulturübergreifende Erfahrungstradition (wieder): die Achtsamkeit. Achtsamkeit, darauf legen die Herausgeber des Handbuches wert, ist keine einfach zu erlernende und zu vermittelnde psychotherapeutische Technik, Sie ist auch keine neue Methode, kein Instrumentarium. Sie ist Erfahrungserkenntnis und innere Haltung, eine Fähigkeit, die Menschen durch konsequentes Üben entwickeln können. Wie sie Achtsamkeit erlernen können und um welch universelle Fähigkeit es sich dabei handelt, erfährt man in dem Handbuch, das gleichzeitig auch zahlreiche Krankheitsbilder und Therapieverfahren berücksichtigt.
Gegliedert ist das Buch in 23 Kapitel. Im ersten Teil geht es um die historischen Grundlagen von Achtsamkeit und Akzeptanz. Beides, so erfährt man, sind Prinzipien einer jahrtausendealten Kultur, insbesondere Buddhismus. Aber in dem Buch finden sich Hinweise auf Wurzeln im christlichen Kulturkreis, insbesondere in der christlichen Mystik. Teil zwei gibt einen praxisorientierten Überblick über achtsamkeitsbasierte Ansätze. Im dritten Teil geht es um Achtsamkeit und Akzeptanz als Interpretationsrahmen klassischer psychotherapeutischer Ansätze. Hier findet sich unter anderem ein Beitrag zur Gesprächspsychotherapie von Karin Bundschuh-MüIIer. Sie bezieht die Achtsamkeit auf die Personzentrierte und Experientielle Psychotherapie, und hier wird deutlich, wie gut Achtsamkeit zu beiden Ansätzen passt. Teil vier zeigt Anwendungsperspektiven auf; so zum Beispiel bei Angst- oder Suchterkrankung, bei Krebs oder im Rahmen einer integralen Salutogenese. Die empirische Fundierung und das Resümee runden im fünften Teil das Handbuch ab. Im Anhang findet man Fortbildungsmöglichkeiten in achtsamkeits- und akzeptanzbasierten Verfahren.
Inhaltlich bietet das Handbuch einen systematischen komplexen und universellen Überblick. Er kann sowohl Einstieg in die Thematik sein, als auch vorhandene Kenntnisse vertiefen.
Interessant ist, dass man von Autoren ganz unterschiedlicher Herkunft erfährt, wie und weshalb Achtsamkeit sich dem spontanen intellektuellen Zugang entzieht, gleichwohl aber gegenwärtig und erfahrbar sein kann. Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zeigen die Autoren auf, dass Achtsamkeit nur erfahren kann, wer entsprechende Übungen in den Alltag einplant, sich Zeit nimmt. Die unterschiedlichen Zugangsweisen zur Achtsamkeit umfassen ein breites Spektrum: So findet man beispielsweise in einem Beitrag von Tich Nhat Hanh (vietnamesischer Mönch) eine überzeugende Darstellung, wie sich Achtsamkeit in jede alltägliche Handlung einbauen lässt. Er zeigt auf wie sich eine Alltagshandlung wie das Abwaschen von Geschirr in eine Achtsamkeitsübung verwandeln lässt, wie man „abwäscht um abzuwaschen.“ Und die Herausgeber beschreiben sehr praxisorientiert, wie sie gezielt in acht Sitzungen innerhalb von acht Wochen die Grundlagen der Achtsamkeit vermitteln.
Mehr oder weniger zieht sich durch alle Beiträge der 31 Autoren die Erkenntnis, dass Achtsamkeit nur als tägliches Bemühen verstanden werden kann, mit der Gegenwart, dem Hier und Jetzt, in wachsamem Kontakt zu sein, statt sich ständig mit Gedanken an die Vergangenheit oder die Zukunft von der gegenwärtigen Situation abzulenken. Man erfährt, wie Achtsamkeit den Einblick in die eigene Gedankenwelt intensiviert und hilft, den unaufhaltsamen und scheinbar unbeeinflussbaren Fluss von Gedanken zu unterbrechen und auf die Gegenwart zu fokussieren. Dass hierbei Meditation eine überragende Rolle spielt, leuchtet unmittelbar ein. Wenn Loden Sherab Dagyab Rinpoche (gehört zur Gruppe der ranghöchsten Lamas) dazu schreibt: „Hat sich unser Geist am Anfang wie ein wildes Pferd verhalten, das nur seinen eigenen Eingebungen folgt, so haben wir nun durch den Einsatz bewussten Willens das Pferd gezähmt und uns auf seinen Rücken gezwungen....“ so versteht das jeder, der achtsam leben möchte.
Dass für Menschen, die Achtsamkeit und Akzeptanz erfahren wollen, so „unpopuläre Begriffe“ (Loden Sherab Dagyab Rinpoche) wie „Disziplin, Konzentration und Kontrolle“ notwendigerweise zum Alltag gehören, macht die Sache nicht leichter. Doch die Anstrengung scheint sich zu lohnen: Das ständige Wiederholen negativer Gedanken zu unterbrechen, erhöht psychisches und physisches Wohlbefinden, Entspannung und Lebensqualität. Insofern sind Achtsamkeit und Akzeptanz geeignet, psychische Leiden heilen zu helfen und Rückfällen bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen vorzubeugen. Achtsames Leben ist für-sich-sorgendes, fürsorgliches, Leben und führt letztlich, so erfährt man in dem Handbuch, zu einer auf Weisheit und echtem Mitgefühl (sich selbst eingeschlossen) basierende altruistische Haltung und Lebensführung.
Erfreulich ist, dass das Handbuch auch kritische Fragen und Anmerkungen dazu zulässt, weshalb die Verhaltenstherapie Achtsamkeit und Akzeptanz jetzt integriert. Da sich in dem Handbuch zusätzlich Beiträge von Experten unterschiedlicher therapeutischer Schulen finden lassen, schlägt es eine Brücke zu integrativen Psychotherapiekonzepten. Es ist daher für Psychotherapeuten, Berater, Ärzte, Studenten und interessierte Laien jeglicher Provenienz ein ausgesprochen hilfreiches Nachschlagewerk. Überdies ist es ein kaleidoskopartiges Lesebuch in Sachen Achtsamkeit und Akzeptanz — in weiten Teilen geschrieben in einer leicht verständlichen Sprache.“

Ursula Reinsch

In: Gesprächspsychotherapie und Personzentrierte Beratung, 1/2005, S. 41-42.



„Achtsamkeit ist ein altes buddhistisches Konzept, mit dem die Haltung des nicht direktiven, wohlwollend akzeptierenden Präsentseins bezeichnet wird. Lange Zeit war es ein gezielt spirituelles Konzept, dessen Erlernen und Kenntnis einen langen Meditationsweg, meistens in der Theravada-Tradition des Buddhismus voraussetzte. Vor etwa 15 Jahren hat der amerikanische Verhaltensmediziner Jon Kabat-Zinn dieses Konzept in ein verhaltensmedizinisches Programm integriert, dessen Ziel es ist, Patienten mit verschiedenen chronischen Störungen Achtsamkeit als Grundhaltung beizubringen und sie in einer gezielten Meditationsmethode zu unterweisen, die Achtsamkeit übt. Diese Bewegung ist sicherlich auf dem Hintergrund der buddhistischen Renaissance in den Vereinigten Staaten zu verstehen, wo ja bekanntlich vor allem die intellektuelle Elite sich immer mehr diesen Konzepten gegenüber aufgeschlossen zeigt, wenn nicht sogar hingezogen zu ihnen ist. Die von Kabat-Zinn entwickelte «Mindfulness-Based Stress Reduction» (MBSR)-Methode ist mittlerweile in vielen Universitätskliniken und anderen Krankenhäusern der Vereinigten Staaten integrales Programm zur Behandlung chronischer Störungen und ist in einer Vielzahl von klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit hin überprüft worden. Wir selbst haben in einer kleinen Evaluationsstudie gezeigt, dass dieses Konzept auch in Deutschland anwendbar ist. Der Vorteil dieses therapeutischen Konzepts ist es, dass es anders als etwa die Transzendentale Meditation oder konfessionell ausgerichtete Meditations- oder Kontemplationsprogramme vom Patienten keinerlei weltanschauliche Vorentscheidungen verlangt, oder gar dessen weltanschauliche Haltung zu verändern trachtet. Es ist ein Übungskonzept, das so neutral wie nur irgend möglich mit den Weltanschauungen der Patienten umgeht und ihnen dennoch ein nützliches Instrument zur Hand gibt, mit dem sie eine gewisse geistige Präsenz und gleichzeitig Distanznahme üben, sodass chronische Krankheitssymptome leichter bewältigt werden können.
Mit dem hier vorliegenden Band ist zum ersten Mal ein ausführliches Handbuch in deutscher Sprache in diesem Bereich erschienen. Sein Erscheinen im Verlag der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie in Tübingen signalisiert, dass damit auch die Schwelle von der Außenseitermethode hinein ins Zentrum der aktiven und aktuellen Entwicklung überschritten wurde. Die Herausgeber, Heidenreich und Michalak, haben sich sehr viel Mühe gegeben, in diesem Sammelband so viele Perspektiven und Themen wie nur irgend möglich zu behandeln; gleichzeitig ist es selbstverständlich ein Buch, das vor allem auf psychotherapeutisch ausgerichtete Anwendungen fokussiert ist. In einem ersten Grundlagenteil (S. 9-140) geben Buchheld und Walach einen Überblick über die historischen Wurzeln der Achtsamkeitsmeditation und die Brücke zur christlichen Tradition, Thich Nhat Hanh beschreibt in seiner bewährten Art in einfachen und gleichzeitig brillant klaren Worten den Kern der Achtsamkeitsmeditation. Die Einbindung in den tibetischen Buddhismus unternimmt Dagyab Rinpoche. Paul Grossman und Kabat-Zinn leiten in ihren Kapiteln von der ursprünglichen Tradition hinüber in die Gegenwart, indem sie die entsprechenden buddhistischen Konzepte mit aktuellen Entwicklungen und Gedanken aus der Wissenschaft verknüpfen.
In einem zweiten Teil, der vor allem über die entsprechenden Praxisanwendungen Auskunft gibt (S. 141-354), informieren verschiedene Autoren über die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion nach Kabat-Zinn, über die Anwendung der Achtsamkeit in der entsprechenden kognitiven Therapieform, die von John Teasdale entwickelt wurde. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörungen von Marsha Linehan wird genauso besprochen und dargestellt wie die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (Sonntag).
In einem dritten Teil (S. 357-509) stellen Autoren einer bestimmten Therapierichtung dar, inwiefern Achtsamkeit und Akzeptanz in der jeweiligen Richtung als Interpretationsrahmen bereits vorkommen und schlagen somit die Brücke von der Achtsamkeit als spirituellem Konzept zu einer technischen Grundhaltung verschiedener Psychotherapieströmungen, insbesondere für die Psychoanalyse (Michal), die existenzielle Psychotherapie (Noyon), die personenzentrierte Psychotherapie (Bundschuh-Müller) und für einen übergreifenden Ansatz im Sinne von Grave (Smith). Im vierten Teil werden weitere Anwendungsperspektiven dargestellt (S. 511-699), die vor allem konkrete Beispiele von Achtsamkeitsprogrammen beschreiben — etwa bei der Therapie der Angststörung, der Suchterkrankung oder der Raucherentwöhnung, aber auch in der Krebsbehandlung und in der psychosomatischen Arbeit.
Der fünfte Teil gibt eine Übersicht über die empirische Fundierung dieser Therapie (S. 701-780). Hier wird eine von Paul Grossman und unserer Arbeitsgruppe kürzlich publizierte Metaanalyse auf Deutsch vorgestellt sowie Daten zur Validierung eines Fragebogens zur Erfassung der Achtsamkeit. Die Editoren geben schließlich ein Resümee über die Brauchbarkeit dieses Ansatzes in der Psychotherapie. In einem praxisbezogenen Anhang werden Fortbildungsmöglichkeiten über achtsamkeitsbasierte Psychotherapiemethoden vorgestellt, zusammen mit den entsprechenden Internetadressen.
Das Buch ist also wirklich ein Handbuch, das man sowohl zur eigenen Information über den Stand der Wissenschaft auf diesem Gebiet zur Hand nehmen kann, als auch als Referenzwerk für die nächste Zukunft. Entsprechend solide ist es ausgeführt: Der Druck ist großzügig und erleichtert das Lesen; er ist im Unterschied zu vielen anderen schnell und billig produzierten Büchern so gehalten, dass man Freude am Lesen bekommt und sich gleichzeitig auch relativ leicht innerhalb des Buches zurechtfinden kann. Es schlägt eine unbedingt notwendige Brücke von Forschung und Wissenschaft hin zu anwendungsbezogener Informationsvermittlung und sollte deshalb in der Bibliothek des Praktikers, der sich mit diesen Themen beschäftigt, sowie des Forschers, der sich über diesen Bereich informieren will, auf keinen Fall fehlen.“
H. Walach, Freiburg i. Br.

1 Majumdar M, Grossman P, Dictz-Waschkowski B, Kcrsig S, Walach H: Docs mindfulness meditation contribute to health? Outcome evaluation of a German sample. J Altern Complement Med 2002;8:719—730.

In: Forschende Komplementärmedizin und Klassische Naturheilkunde, 3/2005, S. 62-63.

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