Aus unserer Reihe: Allgemeines Programm

Zilbergeld, Bernie

Die neue Sexualität der Männer

Was Sie schon immer über Männer, Sex und Lust wissen wollten

1994 , 640 Seiten

ISBN 978-3-87159-099-3

19.80 Euro

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Nach dem übereinstimmenden Urteil von vielen Fachleuten ist dies der aktuellste und beste praktische Ratgeber für alle - ganz gleich ob Mann oder Frau, jung oder alt, mit Beziehung oder ohne - die ihre Sexualität besser kennenlernen und genießen wollen. Bei diesem Buch bestechen die anschauliche und unverkrampfte Sprache mit der er auch schwierige Themen darstellt. Ein Selbsthilfeprogramm mit einer ausführlichen Beschreibung der einzelnen Übungen, das bei auftretenden Problemen entsprechende Hilfestellungen bietet.

„Der erfahrene Sexualtherapeut Bernie Zilbergeld führt in seinem gewichtigen Kompendium … ohne verschwiemeltes Drumherumreden zu allen Aspekten der männlichen Sexualität.“ (FAZ)
 
„Er ist einen halben Meter lang, hart wie Stahl, allzeit bereit und haut dich aus den Socken: Das Phantasiemodell vom Sex … Ob wir es wissen oder nicht, ob wir es so wollen oder nicht, unsere Sexualerziehung reicht von dem Tag unserer Geburt bis zu dem unseres Todes, wobei während der Pubertät die Dosis allerdings besonders hoch ist. Deshalb haben wir bereits, lange bevor wir mit unserer eigenen sexuellen Wirklichkeit konfrontiert werden, die Köpfe voll mit allem möglichen Unsinn. Jedesmal, wenn wir schmutzige Witze erzählen oder hören, in Filme mit mehr oder weniger erotischen Inhalten gehen, Romane lesen oder Fernsehsendungen sehen, die sexuelle oder andere Beziehungen behandeln, bei all diesen und vielen anderen Gelegenheiten lernen wir immer einiges über Sex …“


Leseprobe:

Einleitung

Die neue Sexualität der Männer? Was um Himmels willen könnte gerade bei Männern neu am Sex sein? Wie alle wissen, haben sie es doch ziemlich einfach. Sie haben nur ein Sexualorgan, das ihnen für alle Welt sichtbar zwischen den Beinen baumelt. Daran ist gar nichts mysteriös oder kompliziert! Und es ist doch auch klar, was Männer wollen und was ihr größtes Problem ist: soviel Sex zu bekommen, wie sie nur kriegen können.
Solche Vorstellungen hatte ich zwar nie, meinte aber schon nachdem ich Mitte der 70er Jahre das Buch Männliche Sexualität geschrieben hatte, das Thema damit erschöpfend behandelt zu haben.
Natürlich hatte ich vor, irgendwann eine neue Auflage herauszubringen, die den neuesten Stand der medizinischen und therapeutischen Fortschritte bei der Behandlung sexueller Probleme von Männern beinhalten sollte. Aber ein ganzes Buch über eine neue männliche Sexualität nach nur fünfzehn Jahren schreiben? Auf diese Idee kam ich gar nicht, und wenn mir das jemand prophezeit hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt.
Doch die Realität hat mich eingeholt. Schon bereits bevor mein Buch „Die Männliche Sexualität“ 1978 erschienen war, bekam ich von meinen Klienten neue Dinge zu hören. Besonders erstaunlich war für mich, daß sich in einer Reihe von Partnerschaften die Frauen beklagten, die Männer hätten weit weniger Interesse an Sex als sie selbst. So etwas hatte es noch nie gegeben! Eine weitere Überraschung war die Anzahl der Männer, die zwar Sex hatten, aber daran keinen Spaß fanden. Weiterhin war bei den Frauen wachsender Arger darüber festzustellen, wie wenig Männer bereit sind, auf sie einzugehen, und ihre Wünsche zu erfüllen. Die Männer zeigten zunehmend Ressentiments und waren ratlos über die ihrer Meinung nach unerfüllbaren Ansprüche der Frauen an die Partnerschaft. So ist eben der Lauf der Welt: sie verändert sich und von diesen Veränderungen – von Sex, Männern, Beziehungen, Therapie und der Gesellschaft allgemein – handelt dieses Buch. Nachfolgend, in nicht immer klar getrennten Kategorien, im Überblick, was neu an der Welt und in diesem Buch ist.

Sex

„Wenn ich ehrlich bin, muß ich zugeben, daß das schon eine ganze Menge ist, was ich über Sex nicht weiß. Und zwar nicht nur, daß ich mehr über Frauen und ihre sexuellen Wünsche wissen sollte. Es gibt soviel an meiner eigenen Sexualität, was ich noch nicht klar habe. Ich bin Mitte Dreißig, aber mein Wissen über Sex ist das eines Fünfzehnjährigen.“ – Mann, 34

„Meine Freunde und ich tun so, als wüßten wir ‘ne Menge, aber das stimmt nicht. Wir können uns das nur erlauben, weil wir alle gleich wenig wissen. Wir können nicht mal ehrlich über Sex reden. Ich glaube, wir sind alle ganz gut beim Abspritzen, aber ich glaube nicht, daß einer von uns ein guter Liebhaber ist.“ – Mann, 21

„Ich glaube, ich bin ganz gut dran. Ich hatte nie Probleme im Bett oder soviel Sex zu kriegen, wie ich wollte. Aber ich frage mich oft, ob das alles ist. Ich meine, Sex ist meistens ganz angenehm, manchmal auch sehr gut. Aber so wie in Büchern oder im Kino ist es nie. Verpaß‘ ich nun was oder ist das andere nur furchtbar übertrieben?“ – Mann, 39

Können Sie sich vorstellen, daß Ihre Eltern oder Großeltern bei einer ihrer ersten Verabredungen einander fragten, ob er oder sie sich auf eine bestimmte sexuell übertragbare Krankheit hat testen lassen? Wie viele Sexualpartner sie schon hatten und was sie mit ihnen getan haben? Oder, als sie schließlich (wahrscheinlich erst nach der Heirat) miteinander ins Bett gingen, wie sie stimuliert werden möchte oder welche Stellung er bevorzugt? Solche Gespräche gab es früher ganz einfach nicht.
Wir denken über Sex anders als unsere Vorfahren, sogar anders als unsere Eltern. Wir stimmen mit ihnen überein, daß vom Sex eine Macht aus geht, die manchmal gefährlich und manchmal wunderbar sein kann, aber wir sind anderer Meinung, welche Ansprüche wir an den Sex stellen. Heute betrachten die meisten von uns sexuelle Aktivität und sexuelle Lust als etwas, das uns von Natur aus zusteht, etwas, das wir tun oder lassen können, wie, wann, wie oft und mit wem es uns gefällt. Sicherlich sind wir nicht dafür, daß Leute auf der Straße oder vor Kindern Sex machen, doch sehen wir keinen Grund mehr dafür, Sexualität hinter verschlossene Türen zu verbannen. Wir wünschen uns mehr Offenheit als in der Vergangenheit, möchten leichter zugängliche Informationen über Sex und wollen keinesfalls, daß Eltern, Staat oder religiöse Institutionen unser Sexleben reglementieren. Wir sind uns aber auch über die Risiken bewußt. Sexuell übertragbare Krankheiten sind so alt wie die Sexualität selbst, doch wir sind die erste Generation in der Geschichte, die mit der tödlichsten dieser Krankheiten konfrontiert wird. Das Gespenst Aids lauert immer im Hintergrund, ganz gleich, was wir tun oder sagen, und selbst wenn sich an unserem Verhalten wenig ändert, gibt es doch diesen einen Moment des Zögerns, den Gedanken daran, vielleicht das eigene Leben zu riskieren. Aids hat die ungezügelte Begeisterung für Sex, die so viele von uns in den 60er und 70er Jahren miterlebten, gründlich gedämpft.
Es sind aber nicht nur allein unsere inzwischen verinnerlichten Ansprüche auf die sexuelle Lust und die Angst vor Aids, die uns verändert haben. Zum erstenmal in der Geschichte werden heute Frauen als gleichwertige Partnerinnen gesehen: sie sind ebenso sexuelle Wesen wie die Männer und haben das selbstverständliche Recht, Sex sowohl zu initiieren als auch zu verweigern, sie können das Spiel dirigieren und neue Ideen einbringen, die sexuelle Befriedigung steht ihnen gleichermaßen zu. Die Vorstellung, daß Sex etwas ist, das ein Mann sich einzig zu seiner eigenen Befriedigung von einer Frau „nimmt“, ist in den Herzen der meisten Männer tot und begraben. Wir möchten unsere Partnerinnen im Bett doch glücklich machen. Für manche Männer war die sexuelle Gleichberechtigung deshalb befreiend. Für andere hat sie unglücklicherweise den Leistungsdruck, den Männer schon immer gespürt haben, noch weiter erhöht.
Wir haben aber auch den schleichenden Verdacht, daß der Sex, den wir kennen und machen, nicht so gut ist, wie er eigentlich sein könnte. Ein Grund dafür sind die unterschiedlichen Geschlechter. Wie in anderen Be reichen auch, unterscheiden sich Männer und Frauen in ihrer Sexualität. Doch viele von uns kommen auch eine Grenze, an der sie die Unterschiede nicht verstehen und nicht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen.
Und einmal abgesehen von den Geschlechtsunterschieden ahnen wir, daß etwas mit den in unserer Kultur dominanten Modellen von Sexualität nicht stimmen kann. Es wird zuviel Wert auf Leistung gelegt, es gibt zu vie le unausgesprochene Regeln, zuviel Stress, zu wenig Zeit und Kraft, sich richtig darauf einzulassen, sich selbst zu sein und neue Möglichkeiten zu erforschen. Hinzu kommt der Verdacht, daß der Sex, so wie wir ihn kennen, nahezu ausschließlich auf junge Leute mit neuen Partnern und neuen Beziehungen ausgerichtet ist und nicht darauf, wie befriedigend Sex sein und bleiben kann, wenn wir und unsere Beziehungen altern.
Das traditionelle Leitbild oder Modell von Sex, das die meisten von uns verinnerlicht haben, konzentriert sich auf die männliche Leistung. Der Mann muß wissen, was zu tun ist, er soll eine Erektion bekommen und sie, solange es geht, halten – wie lange das auch sein mag – und er muß, da jetzt auch Frauen ein Recht auf sexuelle Befriedigung haben, für ein ekstatisches Erlebnis seiner Partnerin sorgen. Woher er aber das Wissen nehmen soll, was zu tun ist, wie er ein Organ kontrollieren soll, das manchmal seinen eigenen Willen zu haben scheint, und wie er wissen soll, was seine Partnerin braucht und wünscht – auf diese Fragen gibt es keine klaren Antworten. Dieses Modell setzt Männer unter einen enormen Leistungsdruck und führt zu unnötiger Angst und Täuschungsmanövern aller Art (vorzugeben, interessiert zu sein, obwohl man es nicht ist, Wissen vorzuspielen, das man nicht hat, und sogar Orgasmen vorzutäuschen, was nicht nur Frauen tun). Für Männer bedeutet das traditionelle Modell von Sex gegen gezinkte Karten zu spielen. Vielleicht sollten wir deshalb damit beginnen, die Karten lieber zu unserem Vorteil zu zinken.
In diesem Buch möchte ich die einzelnen Elemente eines neuen Modells von Sexualität vorstellen, einem Modell, das auf Lust und Nähe, auf Wertschätzung unserer selbst und unserer Partnerin, statt auf Leistung und Bewertung ausgerichtet ist. Dieses Modell erlaubt es den Spielraum unserer sexuellen Aktivitäten und unseren Umgang mit ihnen zu erweitern. Guter Sex kann über die traditionelle Routine von Vorspiel und Geschlechtsverkehr hinausgehen. Es gibt eine breitgefächerte Auswahl von Spielmöglichkeiten, die uns Lust bereiten und unseren Beziehungen und der jeweiligen Situation gerecht werden. Wir sollten unsere Möglichkeiten kennen und bereit sein, flexibel mit ihnen umzugehen. Dieses Modell kann alle Männer und Frauen sehr bereichern, weil es uns mehr als zuvor erlaubt, Sex in unser Leben und unser Denken einzubringen, uns von unnötigem Leistungsdruck und überflüssigen Ängsten zu befreien, ehrlicher zu uns und anderen zu sein, und uns bei dem, was wir tun, besser zu fühlen.
Das neue Modell basiert auf dem wachsenden Bewußtsein, bei Männern wie bei Frauen, daß guter Sex nicht einfach vom Himmel fällt. Selbstverständlich ist die Fortpflanzung natürlich, doch das heißt nicht, daß Sex, der ja der Arterhaltung dient, auch natürlicherweise gut sein muß. Eine Befruchtung kann genauso durch Vergewaltigung, durch Inzest oder durch Dreisekundensex erfolgen, bei dem sich beide Partner nicht besonders gut fühlen. Auch wenn noch ziemlich viele Leute meinen, daß Sex natürlich sei oder sein sollte und es dabei nichts zu denken oder zu reden oder zu lernen gebe, schenkt man diesen Vorstellungen Gott sei Dank immer weniger Glauben. Guter Sex ist genauso wenig eine natürliche Sache wie eine gepflegte Konversation unter Erwachsenen. Ganz gleich, ob es um unser Verhalten im Schlafzimmer oder im Konferenzsaal, auf dem Sportplatz, auf der Konzertbühne oder an den meisten anderen Orten geht, immer haben wir dafür unglaublich viel Lernen und Mühe aufwenden müssen. Sich ganz ‚natürlich‘ an einem dieser Orte zu verhalten, wäre außer für ein dreijähriges Kind völlig fehl am Platze.
Was Erwachsene als Spontaneität erleben, erwächst doch erst daraus, daß die gelernten Verhaltensweisen (und dazu gehören Gefühle, Ansichten und Gedanken) so verinnerlicht wurden, daß sich eine flüssige Abfolge von Handlungen ergibt, die andere als harmonisch wahrnehmen und einem selbst automatisch bzw. natürlich erscheint. So tun wir jeden Tag eine Menge von Dingen, die wir jetzt vollkommen natürlich finden, die uns aber früher einmal eine ganze Reihe von Schwierigkeiten bereitet haben. Wenn Sie Ihre intimen oder sexuellen Fertigkeiten verbessern wollen, so kann ich Ihnen garantieren, daß, wenn Sie sich genügend Zeit dafür nehmen und üben, jegliche Unbeholfenheit und das Gefühl von Künstlichkeit verschwinden werden und Ihnen Ihre neuerworbenen Fähigkeiten als absolut natürlich vorkommen.
Ein guter Liebhaber ist nicht derjenige, der nur tut, was sich natürlicher Weise ergibt, sondern er ist eher einer, der viel gelernt und geübt hat, der sich relativ wohl mit seinem Körper und sich selbst fühlt sowie mit dem, was er kann und sich so verhält, daß die Möglichkeiten, sich und seiner Partnerin Lust zu bereiten, maximiert werden. Das macht einen guten Liebhaber aus, und was er kann, können auch Sie lernen.
Weil das neue Modell von Sexualität nicht auf Leistung sondern auf Lust basiert, gibt es nun ein neues Kapitel über die sexuelle Erregung als dem Schlüssel zu erfüllter Erotik. Und da so viele unserer sexuellen Hemmungen davon abhängen, ob wir etwas richtig oder normal finden, beschäftigt sich ein weiteres Kapitel mit sexueller Normalität. Zwei zusätzliche neue Kapitel befassen sich mit Sex zwischen Singles und wie man ihn über die Jahre hinweg frisch erhalten kann. Außerdem gibt es ein weiteres Kapitel zu einem Thema, das fast nie behandelt wird und doch für Männer von großer Wichtigkeit ist: wie man beim Sex die Initiative ergreift. (...)

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